Details zur Veranstaltung

Vorträge 

Mi 22.01.2020 19:00 AK Ökonomie

Freier Eintritt

Ein Jahr Bolsonaro-Regierung in Brasilien: Chaos, Shock & Order!

Wie das Prinzip Bolsonaro Brasiliens Demokratie zerstören will


 

 

Ein Jahr Bolsonaro-Regierung – und die staatlichen Institutionen mit halbwegs sozialer oder demokratischer Politagenda werden ausgehöhlt oder geraten unter gezielten Beschuss: Extrem neoliberale Gesetzesänderungen bei Arbeitsjustiz, Arbeitsrecht und Gewerkschaftsfreiheit werden flankiert durch eine marktradikale, extrem neoliberale Renten“reform“ und bilden so das Grundstück des radikalen Umbaus des brasilianischen Staates im Sinne einer massiven Umverteilung von unten nach oben. Die Bolsonaro-Regierung versucht gezielt eine schleichende Entmachtung der Indigenenbehörde Funai und der Umweltbehörde Ibama durch Austauschen von Mitarbeiter*innen sowie durch Kürzung der Gelder und Verlagerungen der Kompetenzen auf andere Staatsorgane durchzusetzen, während illegale Holzfäller und Goldsucher in Amazonien, animiert durch den präsidialen Diskurs des „Jetzt dürfen wir das!“, ihren Raubzug durch indigene Territorien verschärfen und derweil die Rodungsraten nachgerade explodieren und der Präsident indigene Territorien den nationalen und internationalen Bergbaufirmen für die Exploration aushändigen will. Die Agrarreform ist zum Stillstand gekommen, kollektive Landtitel werden gar nicht mehr vergeben, stattdessen sollen direkte Individualtitel vergeben werden, was zur Folge hätte, dass diese Ländereien dann den Marktgesetzen ausgeliefert werden. Währenddessen werden die Überwachungs-, Polizei- und Repressionsstrukturen immer umfassender und raffinierter und unter weitestgehender Straflosigkeit in den Favelas und Peripherien der Städte werden gezielt arme, schwarze Jugendliche und junge Männer von den Snipers der Polizei erschossen.

Dazu ein Präsident Bolsonaro, der tagein, tagaus einen neuen verbalen Skandal der Ungeheuerlichkeiten medial durchs Land treiben lässt, damit die Menschen in dem Tsunami der Skandale und gezielter Entgleisungen möglichst wenig von dem zugrundeliegenden Raub an der Gesellschaft und der Ausbeutung von Natur und Mensch mitbekommen. Und führende Vertreter deutscher Firmen vor allem im Großraum São Paulo äußern sich noch immer lobend über die Bolsonaro-Regierung. Profit geht ihnen doch über alles.

Aber, es gibt Widerstand. Die sozialen Bewegungen Brasiliens sind noch existent und sehr lebendig. Davon wird uns Christian Russau, Mitarbeiter des in Berlin ansässigen Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) und Mitbegründer der Brasilien Initiative Berlin berichten.

 

Veranstalter:
Grupo Sindical de Solidaridad Internacional Esslingen e.V. (GRUSSI)
Arbeitskreis Ökonomie Esslingen: Evangelisches Bildungswerk Landkreis Esslingen, Evangelischer Kirchenbezirk Esslingen, DGB, Caritas-Zentrum Esslingen, Kreisdiakonie Esslingen, Heimstatt Esslingen, attac Esslingen, vhs Esslingen, EBI, Kulturzentrum Dieselstraße, Katholische Erwachsenenbildung Landkreis Esslingen